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Wie John Travolta mit Disco + Night Fever zum Weltstar wurde

John Travolta ist ein Ausnahmetyp: Riesentalent, Riesenerfolg und tragische Schicksalsschläge. Und mit Night Fever läutet er eine neue Ära der Musik ein.

Plakat für Auktion John Travolta mit weißem Anzug Juliens Auctions/dpa


John Travolta wird am 18. Februar 1954 in Englewood, New Jersey, geboren. Sein Vater ist Reifenhändler, seine Mutter Schauspielerin. Die Mutter prägt offensichtlich mehr als der Vater. Sowohl er als auch alle seine fünf Geschwister gehen zum Film in die Filmbranche. Als Kind erteilt seine Mutter ihm Schauspielunterricht. Als er 16 Jahre alt ist, beschließt er, die Schule zu schmeißen, nach New York zu ziehen und Schauspieler zu werden. Die Eltern sind überraschenderweise einverstanden.

Seine erste Rolle bekommt er im Musical Grease. Mit dem geht er auch auf Tournée. Er lernt Stepptanz. Nebenbei verdient er sich Geld als Darsteller in Werbespots. 1970 zieht er nach Los Angeles. Als 21-Jähriger bekommt er seine erste größere Schauspielrolle, in einer TV-Sitkom namens Welcome Back, Kotter, die in Deutschland kaum jemand kennt, die aber in den USA erfolgreich war. Dann folgt die erste Film-Hauptrolle in dem Horrorschocker Carrie. Und dann sein ganz großer Filmhit, der ihn 1977 weltbekannt macht: Saturday Night Fever.


John Travolta auf Plakat mit weißem Anzug Juliens Auctions/dpa

Die Disco-Legende: Travolta in "Saturday Night Fever". Der weiße Anzug wurde 2023 für 260.000 Dollar bei Julien's Auctions in Beverly Hills versteigert

Disco Fever

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Durchbruch mit "Saturday Night Fever"

In seiner Rolle als Tony Manero verkörpert er einen Typen, dem tagsüber nichts richtig gelingen will und der erst nachts in der Diskothek richtig aufdreht. Der Film, die Musik und Travolta werden zu einer einzigen Ikone und zum Symbol der Disko-Ära. Alles an Saturday Night Fever war pures Gold und spielte Unsummen ein: Der Film, der Soundtrack, der Merchandise, die Mode, das ganze Genre. Travolta bekommt eine Nominierung zum Oscar.

Dabei war der Film eine fixe Idee im Wortsinn. Ein Musikkritiker, Nik Cohn, schrieb einen Text über die "biblischen Riten der neuen Samstagnacht" ("Bible Rites of The New Saturday Night"). Den las zufällig der Produzent Robert Stigwood. Cohns Artikel war noch nicht einmal zwölf Stunden veröffentlicht, da hatte Stigwood Cohn schon am Telefon und bot ihm einen Vertrag für ein Film-Drehbuch. Noch am selben Tag fuhr er zu Cohns Wohnung. An der Haustür unterzeichnete der den Vertrag. 

Soundtrack spielt viermal so viel ein wie der Film

Saturday Night Fever war aber nicht einfach ein Film. Es war ein jugendkulturelles Gesamtpaket. Ästhetik und Musik waren extrem wichtig. Das lag auch daran, dass die Musik zu Film und Soundtrack von erstklassigen Künstlern stammen: Neben den Bee Gees Kool and The Gang, K.C. and The Sunshine Band, The Trammps und Walter Murphy.

Der Soundtrack hielt in den USA 25 Wochen lang die Nummer-1-Position in den Album-Charts. Weltweit verkaufte er sich 30 Millionen Mal (Quelle: Million Selling Records von Joseph Murell). Die Einnahmen aus dem Musikverkauf waren mit rund 300 Millionen Dollar viermal so hoch wie die des Films.

John Travolta mit Uma Thurman und Quentin Tarantino EPA/JULIEN WARNAND/dpa

Travolta 2014 beim Filmfestival in Cannes mit Uma Thurman und Quentin Tarantino

Mit dem Musical-Film Grease (1978) kann Travolta seinen Ruf als Teenie-Idol festigen. Der nächste Film Urban Cowboy läuft so lala. Die Jahre danach sind für eher von Krisen geprägt. Das Level, das er mit Night Fever erklomm, kann er nicht halten. Bis es dann wieder knallt.

Comeback mit Quentin Tarantino

Nach einer Reihe von weniger erfolgreichen Filme dann in den 1990er Jahren das vielleicht beeindruckendste Comeback der Fimgeschichte: Quentin Tarantino entdeckt Travolta neu und besetzt ihn in "Pulp Fiction" (1994). Der Disco-Ruhm, der an ihm haftete, als Disco vorübergehend out war, drohte, ihn zu ersticken. Aber in der Rolle des philosophierenden Hitman Vincent Vega ballerte er sich ein neues, extrem cooles Image und holte sich seine zweite Oscar-Nominierung.

Persönliche Tragödien

Zwei schwere persönliche Tragödien haben Travolta zu schaffen gemacht. Im Jahr 2009 verstarb sein Sohn Jett Travolta im Alter von 16 Jahren während eines Familienurlaubs auf den Bahamas. Im Juli 2020 verlor Travolta seine Ehefrau, die Schauspielerin Kelly Preston, nach ihrem Kampf gegen Brustkrebs.

John Travolta mit Ehefrau Kelly Preston EPA/GUILLAUME HORCAJUELO/dpa

Travolta mit seiner Ehefrau Kelly Preston, die mit 57 Jahren im Juli 2020 an Krebs starb

Leidenschaft als Pilot

Travolta ist von der Fliegerei besessen. Sein Haus ist gebaut wie ein Hangar. Auf seinem Grundstück hat er mehrere Hallen und um die zehn Flugzeuge, mit denen er jederzeit abheben kann. Vom Grundstück in Florida, wo er heute lebt, führt ein Rollweg zu einer 2,3 Kilometer langen Startbahn. Travolta besitzt eine Berufspilotenlizenz und Type Ratings für große Verkehrsjets und kleinere Business-Maschinen.

John Travolta schwenkt eine Deutschlandfahne aus dem Cockpit seines Flugzeugs Frank May/dpa

Zwischenlandung mit seiner Boeing 707 in Frankfurt, von wo er dann nach Australien abhebt

Travolta und Scientology

Umstritten ist Travolta für seine Mitgliedschaft in der Scientology-Sekte. Der gehört er seit den 1970er-Jahren an. Im Jahr 2000 verfilmte er ein Buch seines Sektengründers L. Ron Hubbard, Battlefield Earth. Der gilt als einer der schlechtesten Filme der Filmgeschichte. 

Es sei ihm verziehen. Denn ansonsten ist er einer der größten der Branche.